Zwei eigenhändige, signierte Briefe des Ingenieurs Hermann Rietschel (1847-1914), der als Begründer der Heizungs- und Klimatechnik gilt. --- Datiert Urfeld bei Kochel (Oberbayern), den 26. Juni und 2. Juli 1911. --- In Urfeld (Kochel am See) verbrachte Hermann Rietschel von 1886 bis 1914 Teile der Sommermonate, zusammen mit anderen Intellektuellen wie Musikern, Malern, Schriftstellern, Ingenieuren, Ärzten und frühen Politikern der SPD. --- Gerichtet an seine Schwester Gertrud Rudorff, geb. Rietschel (* 4. Juli 1853 in Dresden, 1937), Ehefrau des Komponisten, Musikpädagogen und Naturschützers Ernst Rudorff (1840-1916). --- Signiert jeweils mit "Mens"; dies ist als Spitzname von Hermann Rietschel erwähnt in: Klaus W. Usemann: Entwicklung von Heizungs- und Lüftungstechnik zur Wissenschaft: Hermann Rietschel, Leben und Werk, München 1993, S. 95. -- Seine zweite Ehefrau Magdalene Rietschel, geb. Piesnack (1856-1916), die er erst 1910 geheiratet hatte, nennt er im Brief "Helene", und sie unterschreibt einen Zusatz auch so auch dies ist als Spitzname von ihr im Werk von Klaus W. Usemann (auf S. 565) erwähnt. --- Umfang: jeweils vier beschriebene Seiten (17,8 x 11,7 cm); ohne Umschlag. --- Auszüge: --- 26. Juni 1911: "Mein geliebtes Schwesterlein! [.] Ich kann leider auch ohne Schmerzen nicht mehr ordentlich gehen, es wird wohl etwas Aehnliches wie bei Dir sein. Aber ich finde, daß Gehen doch eine gewisse Besserung bringt, vor allem aber neue Ablagerungen verhindert. Hoffentlich wird auch Mesuline Pyrmont gut tun die Jugend wird ihr zur völligen Heilung verhelfen. Gott gebe es. Von Ernst schreibst Du nichts weiter ich nehme das als ein gutes Zeichen. [.] Uns geht es leidlich, gut gerade noch nicht, doch in unserem Alter muß man recht zufrieden sein. [.] Wir bleiben bis Ende Juli hier, dann habe ich Urfeld wieder Georg angeboten [.]." --- Mit Georg ist Hermanns Bruder, der Theologe Georg Rietschel (1842-1914) gemeint. --- "Neulich war Kongreß m. Fachgenossen, dessen Ehrenvorsitzende ich bin, in Dresden. Natürlich war ich nicht dort, aber ich wurde sehr geehrt. Der Kongreß (900 Prof.) beschloß, meine Büste von Künstlerhand anfertigen zu lassen, mit der Bestimmung, sie mir u. dereinst der Techn. Hochschule zur Aufstellung in d. Ehrenhof zu überweisen. Ich war tief gerührt u. hoch erfreut. [.] Dein alter getreuer Mens." --- 2. Juli 1911: "Mein geliebtes Schwesterlein! Uebermorgen ist Dein Geburtstag, da sind meine Gedanken ganz besonders bei Dir und den Deinen. [.] Uns geht es ganz leidlich, die Ruhe u. Stille tut uns gut, Helene hat einige Pfund zugenommen [.]. Nur hat sie noch viel Schwindel u. Kopfschmerzen und kann nicht ordentlich schreiben, d.h. es greift sie das Schreiben sehr an [.]. Neues kann ich Dir nicht berichten, Erlebnisse, die über das Maß einsiedlerischen Lebens hinausgehen, haben wir hier nicht höchstens daß einmal ein Lebensmüder sich in dem schönen Wasser des Sees ertränkt. Von Georg lauten die Nachrichten freundlich, doch scheint er noch etwas angegriffen zu sein [.]. Jedenfalls müssen wir dafür sorgen, daß er nicht wieder seine Tätigkeit in Leipzig auf-, sondern den Abschied nimmt. Nun lebe wohl, Du liebe 58erin! Nochmals tausend innige Grüße und Wünsche! In treuer Liebe Dein alter Mens." --- Am Ende noch ein Zusatz seiner Ehefrau: "Meine liebe Gertrud! Wenn ich mich auch leider noch ganz außerstande fühle, längere Briefe schreiben zu können, da ich noch immer unter den Druck meiner Nerven zu leiden habe, so will ich aber Deinen lieben Geburtstag nicht vorüber gehen lassen, ohne Dir meinen innigsten Glückwunsch zu senden. [.] Deine alte treue Schwägerin Helene." --- Zustand: Briefe gefaltet (jeweils ohne Umschlag); Papier leicht gebräunt.
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